Tattoo-Bedeutung: Liebe, Familie und Neuanfang
Von Uladzimir TumanauAktualisiert am
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Hinter fast jedem Tattoo mit Bedeutung steht ein Anlass: ein Mensch, den du liebst, einer, den du verloren hast, eine Zeit, die du überstanden hast, oder ein Glaube. Die Seiten darunter ordnen die Motive nach diesem Anlass; danach um alte Lesarten und darum, wie ein Bild sie trägt.

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Bedeutung von Tattoos: zuerst der Anlass, dann das Motiv
Ein Kompass kann Fernweh bedeuten oder den Weg nach Hause, eine Uhr eine Geburt oder einen Tod; welche Lesart gilt, entscheidet der Anlass, nicht das Bild. Darum lohnt es sich, den Anlass zuerst zu benennen und das Motiv danach zu suchen. Geht es um einen Menschen, um einen Verlust, um eine Zeit, die du überstanden hast, oder um etwas, woran du glaubst? Jede dieser Fragen führt zu anderen Bildern und zu einer anderen Art, sie zu zeichnen.
Geht es um Menschen, erzählt ein Tattoo meist durch Zählen und Teilen: eine Figur pro Kind, zwei Hälften für ein Paar, dasselbe kleine Zeichen bei Geschwistern oder besten Freunden. Für einen Verlust genügt oft ein einziges Detail, das nur die Nächsten verstehen, ein Datum, eine Handschrift, ein Pfotenabdruck. Eltern von Sternenkindern, also von Babys, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind, wählen häufig einen Stern oder ein Paar winziger Füße. Und wer etwas überstanden hat, sucht meist ein Bild der Bewegung, das von unten nach oben führt.
Glaube und Glück haben hierzulande ihre eigenen Bilder. Kreuz, Herz und Anker zusammen lesen sich als Glaube, Liebe, Hoffnung, nach dem dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefs, und die Dreiheit stand lange auf Grabsteinen, Anhängern und den Armen von Seeleuten. Das vierblättrige Kleeblatt, der Marienkäfer und das Hufeisen gehören zu den Glücksbringern, die man sich zu Silvester schenkt, und auf der Haut wird daraus ein Talisman, den man nicht verlieren kann.
Phönix, Feder und Armring: Bedeutungen mit langer Geschichte
Den Phönix kennt im Deutschen jeder aus der Redewendung, und die liefert die Bedeutung gleich mit: Wer wie ein Phönix aus der Asche steigt, kommt nach einem Zusammenbruch zurück, nach einer Krankheit, einer Trennung oder einer Pleite. Das Feuer ist dabei jünger als der Vogel. In den ältesten griechischen Berichten fliegt er nur in großen Abständen nach Heliopolis in Ägypten, von Verbrennen und Wiedergeburt erzählen erst spätere antike Texte, und das frühchristliche Tierbuch Physiologus machte daraus ein Bild der Auferstehung. Für die Zeichnung heißt das: Der Vogel muss steigen. Flammen, die nach oben auslaufen, und weit geöffnete Schwingen lesen sich als Aufbruch, ein Vogel, der mitten im Feuer kauert, eher als Untergang.
Die Feder ist im Deutschen zugleich das Werkzeug zum Schreiben, und für alle, die schreiben, liegt darin schon die halbe Bedeutung. Daneben steht sie für Leichtigkeit und, wenn sich ihr Ende in kleine Vögel auflöst, für Freiheit und Loslassen. Eine weiße Feder gilt vielen als Gruß von jemandem, der gestorben ist; das ist ein junger Volksglaube, aber ein verbreiteter, und darum taucht die Feder so oft auf Gedenk-Tattoos auf. Vorsicht verdient nur der Federschmuck aus Adlerfedern, denn bei vielen indigenen Völkern Nordamerikas wird eine Adlerfeder für Verdienste verliehen, und als bloßes Dekor gilt sie dort als Anmaßung.
Beim Armring lohnt der Unterschied zum Armband. Ein Armband ist Schmuck, ein Ring um den Oberarm war bei Germanen und Wikingern auch Lohn und Pfand: Der Gefolgsherr verteilte solche Ringe an seine Leute, und so kann ein geschlossenes Band Treue, ein Versprechen oder Zugehörigkeit meinen. Ein breites, ganz schwarzes Band erinnert dagegen an einen Trauerflor. Zwei schmale Linien und das Tribal-Band der Neunziger haben keine feste Lesart, und dort zählt allein, was du hineinlegst.
Schmetterling, Semikolon, Medusa: wie das Bild die Bedeutung trägt
Bei manchen Zeichen ist die Bedeutung so bekannt, dass es ganz auf die Zeichnung ankommt. Der Schmetterling steht für Verwandlung, und am deutlichsten wird sie, wenn das Tattoo den Weg zeigt statt nur das Ergebnis: Raupe, Puppe und Falter in einer Reihe, oder ein Flügel, der sich zum Rand hin in Punkte auflöst. Das Semikolon setzt ein Autor dort, wo er einen Punkt hätte setzen können, und schreibt weiter. Seit Amy Bleuel 2013 das Project Semicolon gründete, tragen es Menschen nach einer Depression oder einer Suizidkrise und Angehörige, die jemanden durch Suizid verloren haben. Ob es frei steht oder den Körper eines Schmetterlings bildet, Punkt und Komma müssen als Satzzeichen erkennbar bleiben, sonst sieht man nur einen Strich.
Medusa schließlich ist ein Gesicht mit zwei Lesarten, und erst der Ausdruck entscheidet, welche gemeint ist. Das frontale Fratzengesicht mit Zunge und Hauern ist das Gorgoneion, ein antiker Abwehrzauber, den die Griechen auf Schilde malten. Die ruhige, gefasste Medusa mit geradem Blick steht dagegen für Menschen, die sexualisierte Gewalt überlebt haben, nach der Fassung bei Ovid, in der sie selbst das Opfer war und trotzdem bestraft wurde. Wer diese Medusa meint, sagt es dem Tätowierer am besten gleich beim ersten Gespräch, denn ein drohender Blick erzählt eine ganz andere Geschichte.
Häufige Fragen
Welche Tattoos mit Bedeutung gibt es für Frauen?
Eigene Bedeutungen für Frauen gibt es nicht; ein Phönix steigt auf jeder Haut aus derselben Asche. Manche Lesarten erzählen allerdings Geschichten von Frauen, etwa Mutter und Tochter oder die Medusa nach Ovid, und getragen werden sie von allen, die diese Geschichte teilen. Unterschiede machen Körper und Alltag: wie viel Fläche eine Stelle bietet, was die Kleidung zeigt und wo ein Tattoo eine Schwangerschaft gut übersteht.
Was bedeutet ein Maori-Tattoo?
Ein echtes Tā moko bedeutet vor allem, wer sein Träger ist: Es zeichnet Abstammung und Herkunft eines bestimmten Maori auf und wird für niemanden sonst entworfen. Wer kein Maori ist, trägt Kirituhi, Arbeiten in derselben Formensprache ohne diesen Anspruch, und darin haben einzelne Formen ihre Lesarten, etwa der Koru für Wachstum oder der Manaia als Wächter.
Muss ein Tattoo überhaupt etwas bedeuten?
Nein. Viele Tattoos werden gestochen, weil das Bild gefällt, und niemand schuldet einem Fremden an der Bushaltestelle eine Erklärung. Eine Bedeutung hilft aber bei Entscheidungen, die sonst schwerfallen: Ein Tattoo für dich selbst darf an eine Stelle, die nur du siehst, eines für einen Menschen gehört oft dorthin, wo du es beim Erzählen zeigen kannst.
Wie finde ich heraus, ob andere die Bedeutung erkennen?
Leg die Vorlage im Tattoo-Simulator von InkCraft auf ein Foto der Stelle und zeig das Bild drei Leuten, die den Anlass nicht kennen. Nennen alle etwas anderes, trägt das Motiv die Bedeutung nicht allein, und ein Detail muss helfen, ein Datum, eine zweite Figur oder eine Blume, die zur Geschichte gehört. Nennen alle dasselbe, ist das Bild stark genug und braucht keine Schrift.
Teste es auf deiner Haut, bevor du dich festlegst
InkCraft legt jede dieser Vorlagen auf ein Foto von dir, angepasst und um die Körperstelle gewölbt, die du wählst, damit du urteilen kannst, bevor es für immer ist.
Oder probier es zuerst im Browser aus: kostenlos, ohne Download