Cover-up-Tattoo: überdecken, lasern, entfernen
Von Uladzimir TumanauAktualisiert am
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Fast jedes alte Tattoo lässt sich mit einem Cover-up überdecken, aber nicht mit jedem Motiv. Ob dein neues Tattoo einfach größer und dunkler wird oder erst nach ein paar Lasersitzungen möglich ist, entscheidet die Farbe darunter, und genau das klärt dieser Ratgeber.
Fünf Wege, mit einem ungeliebten Tattoo umzugehen
Selten werden sie zusammen erklärt. Laserpraxen sprechen über das Entfernen, Studios über das Cover-up, und jede Seite verschweigt gern den Weg, der dich zur anderen schickt. Die fünf Möglichkeiten sind: damit leben, aufhellen und dann überdecken, direkt überdecken, vollständig entfernen oder mit einem Blackout komplett schwärzen. Jede hat ihren Preis und ihren Zeitplan.
Die erste überspringen fast alle. Viel Reue betrifft Größe oder Stelle und nicht das Motiv selbst, und ein Tattoo, das dich nach drei Monaten stört, fällt dir nach anderthalb Jahren oft gar nicht mehr auf. Keiner der anderen Wege wird schwieriger, wenn du ein halbes Jahr wartest, also kostet dich diese Bedenkzeit nichts.
Direkt überdecken ist der schnellste und günstigste Weg, funktioniert aber nur, wenn das alte Tattoo klein, hell oder schon verblasst ist. Erst mit zwei bis fünf Lasersitzungen aufhellen und dann darüberstechen ist die übliche Antwort bei dunklen oder dichten Arbeiten, weil es dir fast die ganze Freiheit beim Entwurf zurückgibt. Vollständig entfernen ist der einzige Weg, an dessen Ende wieder freie Haut steht, und zugleich der längste, meist ein bis zwei Jahre. Ein Blackout deckt alles in wenigen Sitzungen ab und verschließt dafür jede andere Möglichkeit auf dieser Haut.
Wie funktioniert ein Cover-up-Tattoo?
Ein Cover-up ist kein neues Bild, das einfach über das alte gemalt wird, sondern ein Entwurf, der so gebaut ist, dass dein Auge ihn liest und nicht das, was darunter liegt. Die alte Farbe verschwindet dabei nicht, sie bleibt in der Lederhaut, und bei streifendem Licht schimmert eine große alte schwarze Fläche unter fast allem noch leicht durch.
Tätowierer arbeiten nach drei Regeln, die den Entwurf eingrenzen, bevor du ihn ausgesucht hast. Größer: Das neue Motiv braucht deutlich mehr Fläche als das alte, damit dort Dichte sitzen kann, wo das alte am dunkelsten ist, und Luft überall sonst. Dunkler: Helle Farbe deckt keine dunkle, und jeder Ton im neuen Entwurf muss an seiner Stelle mindestens so dunkel sein wie die Farbe darunter. Unruhiger: Details, Texturen und unregelmäßige Formen brechen den Schatten des alten Tattoos, während glatte Verläufe und gerade Linien ihn verraten.
Daraus folgt, was im Beratungsgespräch oft enttäuscht: Pastelltöne, weiße Highlights, zarte Grauverläufe und viel freie Haut scheiden aus. Ein gutes Studio sagt dir das ehrlich und zeigt dir, was stattdessen geht, statt ein Motiv zu versprechen, das nach dem Abheilen den alten Umriss zeigt. Viele Tätowierer zeichnen den Entwurf direkt auf einem Foto deines alten Tattoos, damit ihr beide seht, wo die dunklen Partien landen.
Cover-up für ein Tribal oder ein dunkles, schwarzes Tattoo
Das Tribal am Oberarm oder am unteren Rücken aus den Neunziger- und Nullerjahren ist eines der häufigsten Motive, die heute verschwinden sollen, und eines der schwierigsten. Massives Schwarz in großen, geschwungenen Flächen lässt sich nur mit noch mehr Dunkelheit verstecken. Ein feines Blumenmotiv in Fine Line deckt ein kleines, dunkles Tribal nicht ab, und der Weg zurück zu dieser Freiheit führt nicht über einen besseren Tätowierer, sondern über zwei bis drei Lasersitzungen.
Gut decken Stile mit viel Schwarz und eigener Unruhe: japanische Motive mit Wind, Wasser und Wolken im Hintergrund, Neo Traditional und Old School mit kräftiger Kontur und satter Füllung, Trash Polka mit schwarzen Massen und roten Blöcken, dunkler Realismus mit tiefen Schatten und biomechanische Entwürfe. Linework, Aquarell, Minimalismus und luftige Ornamente decken dagegen fast nie etwas ab. Aus einem schwarzen Tribal wird oft ein größeres Neo-Tribal oder ein dichtes Blackwork-Panel, das die alten Formen aufnimmt, statt gegen sie anzukämpfen.
Die unbequeme Wahrheit dahinter lautet, dass die Stile, die am besten decken, auch die sind, die sich später am schwersten entfernen lassen. Jedes gute Cover-up ist eine Wette darauf, dass es die letzte Entscheidung über dieses Stück Haut bleibt. Bist du dir da nicht sicher, ist Aufhellen mit einem helleren Motiv darüber die umkehrbare Variante desselben Schritts.
Cover-up am Oberarm und Unterarm, für Frauen und Männer
Am Oberarm hat ein Cover-up meist leichtes Spiel, weil die Fläche groß ist und das neue Motiv auf Schulter, Brust oder Schulterblatt auslaufen kann. Ein altes Armband lässt sich dort in einen halben Sleeve einbinden, dessen dunkler Hintergrund das Band schluckt. Am Unterarm ist weniger Platz, und das Motiv muss in die Länge statt in die Breite wachsen; eine kleine Arbeit auf der Innenseite wird oft zu einem Panel, das von der Ellenbeuge bis kurz vor das Handgelenk reicht.
Ob das Cover-up für eine Frau oder einen Mann ist, ändert an den Regeln nichts. Was zählt, ist der Körper: Ein schmalerer Arm bietet weniger Umfang, also muss das neue Motiv eher in die Länge gehen oder um den Arm herumlaufen, und sehr dünne Haut an der Innenseite verträgt nicht beliebig viele Durchgänge. Auch die Kleidung spielt mit, etwa wenn ein Ärmelsaum genau dort sitzt, wo der neue Entwurf ausläuft. Pfingstrosen und Chrysanthemen, Tiere mit dichtem Fell oder Gefieder, Laub, dunkle Wellen und schwarze Ornamente decken bei allen am zuverlässigsten.
Ein Name ist schwieriger zu überdecken, als er aussieht, denn das Auge sucht Buchstaben und findet sie zwischen Blättern, Federn oder Wellen wieder. Am besten funktioniert es, den Namen mit zwei oder drei Lasersitzungen aufzuhellen und ihn danach mit etwas Dichtem und Organischem zu überdecken statt mit einem neuen Schriftzug. Ist nur ein Buchstabe falsch, kann der Laser gezielt diesen einen behandeln, und nach dem Abheilen wird er neu gestochen.
Wann lohnt sich Lasern vor dem Cover-up?
Laser zur Tattooentfernung geben extrem kurze Lichtpulse ab, und zwar in einer Wellenlänge, die die Farbe aufnimmt und die Haut drumherum kaum. Die Pigmente zerspringen in kleinere Teile, die das Immunsystem in den Wochen danach über die Lymphe abtransportiert. Daher kommt die Pause von sechs bis acht Wochen zwischen den Sitzungen: Der Laser zerkleinert nur, entfernen tut dein Körper.
Die Farbe entscheidet, wie schwer es wird. Schwarz nimmt alle Wellenlängen auf und geht am besten heraus, Rot spricht gut an. Grün und Blau sind hartnäckig und brauchen bestimmte Wellenlängen, die nicht jede Praxis hat, also frag danach, bevor du ein Paket buchst. Gelb bewegt sich kaum, und weiße oder hautfarbene Pigmente können unter dem Laser dunkler werden, weshalb eine sorgfältige Praxis zuerst eine kleine Stelle testet.
Fürs Aufhellen genügen meist zwei bis fünf Sitzungen, weil das Ziel nur ist, die alte Farbe so weit zurückzunehmen, dass der neue Entwurf nicht gegen sie arbeiten muss. Danach sollte die Haut einige Wochen ruhen, bevor tätowiert wird; den genauen Abstand legen Praxis und Studio gemeinsam fest. Die Kosten bleiben damit bei einem Bruchteil einer vollständigen Entfernung, und die Auswahl an Motiven wird fast wieder so groß wie auf freier Haut.
In Deutschland findet diese Behandlung beim Arzt statt, denn seit dem 31. Dezember 2020 ist das Entfernen von Tattoos mit dem Laser nach der NiSV Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Frag in der Praxis, welches Gerät sie nutzt, welche Wellenlängen es abdeckt und mit wie vielen Sitzungen sie bei deinem Tattoo rechnet.
Tattoo entfernen: Sitzungen, Kosten und was die Haut mitmacht
Wer das Tattoo ganz loswerden will, braucht Geduld. Meist sind es sechs bis zwölf Sitzungen, bei dichter, bunter oder schon überdeckter Farbe auch fünfzehn und mehr, und weil dazwischen jeweils mindestens sechs bis acht Wochen liegen, ist man ein bis zwei Jahre beschäftigt. Abgerechnet wird pro Sitzung nach Fläche, und über alle Termine kommt ein handtellergroßes Motiv oft auf einen hohen drei- bis vierstelligen Eurobetrag.
Wie viele Sitzungen es werden, hängt an sechs Dingen, die eine Gruppe von Hautärzten 2009 in der Kirby-Desai-Skala zusammengefasst hat: Hauttyp, Körperstelle, Farben, Farbmenge, vorhandene Narben und ob das Tattoo schon ein älteres überdeckt. Ein schwarzes Amateur-Tattoo auf heller Haut an der Schulter liegt bei allen sechs am leichten Ende. Ein dichtes, grün-blaues Profi-Tattoo tief am Bein auf dunklerer Haut, das ein älteres überdeckt, liegt überall am schweren Ende und wird manchmal trotz vieler Sitzungen nicht ganz sauber.
Direkt nach jedem Schuss wird die Stelle für einige Minuten weiß, danach folgen Rötung, Schwellung und ein Gefühl wie nach einem Sonnenbrand, oft auch Bläschen in den ersten Tagen. Halte die Stelle sauber und so abgedeckt, wie die Praxis es vorgibt, stich keine Blasen auf und meide zwischen den Sitzungen die Sonne vollständig, denn gebräunte Haut konkurriert mit der Farbe um die Energie des Lasers. Langfristig bleibt die behandelte Haut manchmal etwas heller oder dunkler als die Umgebung; Narben sind bei fachgerechter Behandlung nicht die Regel, aber möglich.
Finger weg von Cremes, die ein Tattoo angeblich entfernen, und von Hausmitteln mit Salz, Säure oder Schleifpapier. Die Farbe sitzt in der Lederhaut, tiefer als jede Creme wirkt, und solche Mittel können Verätzungen und Narben hinterlassen. Bei einem kleinen Tattoo auf Haut mit genug Spielraum kann das chirurgische Herausschneiden eine Alternative sein, wenn dir eine feine Narbe lieber ist als zwei Jahre Termine, und darüber sprichst du mit einem Hautarzt oder einer plastischen Chirurgin.
Narben-Cover-up und Blackout
Eine Narbe zu überdecken ist eine andere Aufgabe als ein altes Tattoo. Narbengewebe bestimmt, wie die Haut Farbe annimmt, während ein altes Tattoo bestimmt, was darüber gezeichnet werden kann. Die meisten Tätowierer warten, bis eine Narbe vollständig ausgereift ist, was oft ein Jahr oder länger dauert, und lehnen frische, gerötete oder wulstige Narben ab. Bei Keloiden und bei Narben, deren Ursache noch behandelt wird, gehört die Frage zuerst in die Arztpraxis.
Über Narben funktionieren Motive, die mit der Struktur arbeiten statt gegen sie: Ranken, Blätter, Federn und Linien, die der Narbe folgen oder sie kreuzen, dazu Schattierungen, die Unebenheiten optisch auflösen. Weil Narbenhaut die Farbe oft ungleichmäßig aufnimmt, ist ein Nachstechen hier eher die Regel als die Ausnahme.
Ein Blackout, also das komplette Schwärzen einer Fläche, deckt in wenigen langen Sitzungen alles ab und ist für manche genau die Ästhetik, die sie wollen. Als letzter Ausweg verdient er einen härteren Blick. Darüber passt später nur noch weiße Farbe, die unzuverlässig hält; nichts ist schwerer zu entfernen; große schwarze Flächen werden mit den Jahren fleckig grau-grünlich und müssen nachgestochen werden; und er verdeckt Muttermale und Hautveränderungen vor dir und deinem Hautarzt. Außerdem heilt jedes Cover-up langsamer als ein gewöhnliches Tattoo, weil die Haut an derselben Stelle ein zweites Mal verletzt wird und meist deutlich mehr Farbe aufnimmt.
Häufige Fragen
Wie viel größer muss ein Cover-up sein als das alte Tattoo?
Deutlich größer, oft ist von etwa der dreifachen Fläche die Rede, aber das ist nur eine Faustregel. Ein verblasstes, feines Tattoo braucht weniger Zuschlag als ein dichtes schwarzes, und nach dem Aufhellen per Laser schrumpft der Zuschlag erheblich.
Kostet ein Cover-up mehr als ein neues Tattoo?
Pro Stunde meist nicht, aber es braucht mehr Stunden, weil das Motiv größer und dichter wird und mehr Planung verlangt. Manche Studios berechnen für Cover-ups einen Aufschlag oder eine längere Beratung, und das Aufhellen in der Arztpraxis kommt, falls nötig, noch dazu.
Tut Lasern mehr weh als Tätowieren?
Die meisten sagen ja, aber nur kurz. Es fühlt sich an, als würde ein heißes Gummiband gegen die Haut schnalzen, und eine Sitzung dauert Minuten statt Stunden. Praxen kühlen mit kalter Luft oder betäuben örtlich, und die Stellen, die schon beim Stechen wehtaten, sind auch unter dem Laser die unangenehmsten.
Wie lange muss ich nach dem Lasern auf das Cover-up warten?
Bis die Haut nach der letzten Sitzung vollständig verheilt und ruhig ist, und viele Studios wollen mehrere Wochen Abstand sehen. Sprich den Zeitplan mit Praxis und Tätowierer gemeinsam ab, dann weiß jeder, wie hell das alte Motiv werden muss.
Kann ich ein Cover-up vorher ausprobieren?
Ja. Fotografiere dein altes Tattoo und leg den neuen Entwurf in echter Größe darüber, etwa im Tattoo-Simulator von InkCraft. So siehst du schnell, ob er mit Reserve deckt oder ob vorher ein paar Lasersitzungen nötig sind.
Teste es auf deiner Haut, bevor du dich festlegst
InkCraft legt jede dieser Vorlagen auf ein Foto von dir, angepasst und um die Körperstelle gewölbt, die du wählst, damit du urteilen kannst, bevor es für immer ist.
Oder probier es zuerst im Browser aus: kostenlos, ohne Download